#1 Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von Catelyn 21.09.2012 11:42

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Jobbörsen der Agentur für Arbeit nehmen auch Anzeigen von Anwälten und Anwältinnen auf, die Fachangestellte suchen und veröffentlichen diese. Da es leider keine Anweisungen dazu gibt, wann die Konditionen eines Jobangebots unangemessen oder unzumutbar sind, werden auch solche Angebote aufgenommen, die schlicht als unseriös zu betrachten sind. So fanden wir bei Recherchen im Netz ein Stellenangebot für 20 Stunden pro Woche für 400,00 € (4,62 € pro Stunde) sowie eines für 20 Stunden pro Woche für 500,00 € (5,77 €/Stunde).

Zur Erinnerung wie das Stundenbruttogehalt ermittelt wird: Bruttogehalt x 3 Monate : 13 Wochen : vereinbarte Stundenzahl = Stundenbruttogehalt

Um solch ein Gehalt rechtfertigen zu können, wurden uns folgende Argumente übermittelt:

Ich baue gerade meine Kanzlei auf und kann nicht mehr zahlen.
Ich bin im Sozialrecht tätig und vertrete viele Leute, die auch wenig verdienen (die von der Gesellschaft vergessen oder schlecht behandelt wurden).
Die Kammer empfiehlt für die Ausbildung ein Bruttogehalt von 300,00 €.
Ich biete lieber eine langfristige Stelle, bei der Steigerungen zu erwarten sind, als zu versprechen, was ich nicht halten kann.

Wir sollen also akzeptieren, dass ReNos ehrenamtlich für ihre Chefs tätig werden, wenn der Chef sich grad seine Kanzlei aufbaut. Dafür genügt dann als Vergütung eine Aufwandsentschädigung von 5,00 € pro Stunde. Wir sollen also ein Gehalt hinnehmen, das weniger als die Hälfte des vom Statistischen Bundesamt ermittelten Niedriglohns für 2010 ausmacht, damit ein Anwalt beruflich Fuß fassen kann.

Und wir sollen hinnehmen, dass die Empfehlungen der Anwaltskammern eben so sind wie sie sind. Wie gut dass es auch Anwälte gibt, die diese Empfehlungen für zu gering und nicht den Fähigkeiten von Fachangestellten für angemessen erachten. Ein Hoch auf jene Anwälte, die das Fachwissen, die Flexibilität und die Fertigkeiten ihrer Fachangestellten durch angemessene Vergütung beachten.

Zur Klarstellungen:
Wie pauschalisieren nicht alle Anwälte. Es gibt auch Anwälte, die sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern sehr bewusst sind. Bei diesen bedanken wir uns ausdrücklich.

#2 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von Mathilde 21.09.2012 11:50

oder

weil ihre langjährige Mitarbeiterin ein Kind erwartet und für die Zeit der Einarbeitung dann ja 2 Angestellte bezahlt werden müssen - Sorry aber wer hat den die langjährige Mitarbeiterin geschwängert doch nicht etwa die Vertretung

#3 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von MissJJ 21.09.2012 11:59

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Oder auch:
Die wirtschaftliche Lage ist ja so schlecht.
Ist sie das nicht immer?

#4 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von MissJJ 21.09.2012 13:09

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"Die Sozialabgaben sind so hoch. Sonst würden wir ja gern mehr bezahlen."

#5 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von Mathilde 21.01.2013 13:10

Sicherer Arbeitsplatz - aber miese Bezahlung

viele AG rechtfertigen ja auch ihre schlechte Bezahlung damit, dass aber doch der Arbeitsplatz sicher ist.

Wer aber bitte schön möchte einen sicheren Arbeitsplatz bei mieser Bezahlung?? Sicherheit wird doch erst interessant, wenn der Arbeitsplatz top-Konditionen bietet.

Oder glauben die AG dass, wenn sie denn dann jemand für den schlecht bezahlten Job gefunden haben, dass dieser jemand dann für die Ewigkeit bleibt. Sicher nicht. Es wird sicher welche geben, die den Job erst einmal annehmen, bis sich was besseres gefunden hat.

Also spielt doch Sicherheit nur eine Rolle, wenn der Job attraktiv ist.

Ich würde auch lieber einen besser bezahlten Job annehmen, der vilelleicht nicht so sicher ist (Sicher ist man übrigens nie ;-) als einen, wo sie froh sind eine "Blöde" gefunden zu haben, die für die paar Kröten arbeitet.

Ich habe auch einen sicheren Job ;-) Ich bin zwar sicher aber mein AG kann dass nicht sein ;-)

#6 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von MissJJ 21.01.2013 13:15

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Vollkommen richtig. Und eben, was ist schon sicher? Selten blödes Argument!

#7 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von Catelyn 21.01.2013 14:58

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Zitat von Catelyn im Beitrag #1

Ich biete lieber eine langfristige Stelle, bei der Steigerungen zu erwarten sind, als zu versprechen, was ich nicht halten kann.




Ich zitiere ich mal selbst:

Das war eines der Argumente der jungen Frau Rechtsanwältin, die früher mal selbst ReNo war. Wir hatten sie mit "Nicht-Bewerbungs-Mails" beglückt. Dies stand unter anderem in ihren Antworten drin. Sie bot damals 500,00 € für 25 Stunden (oder so ähnlich).

Wem nützt eine langfristige Stelle, von der er/sie nicht mal bei Steigerungen leben kann? Langfristig verhungern und auf Sozialleistungen angewiesen sein?

#8 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von MissJJ 21.01.2013 15:17

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Erinner mich nicht an die, da krieg ich gleich wieder Wut! Ja, langfristig verhungern beschreibt es ganz gut

#9 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von Mathilde 21.01.2013 15:29

also ich erinnere mich ja noch gaaaaanz genau an die

#10 RE: Anwaltliche Argumente, warum sie schlecht bezahlen dürfen von Catelyn 25.04.2013 14:09

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Ein ganz neues Argument:

Eine Kanzlei veröffentlichte beim JobCenter in Thüringen eine Anzeige, wonach eine Rechtsanwaltsfachangestellte gesucht werde. 16 Wochenstunden, 450,00 € monatlich. Macht summasummarum ein Stundengehalt von 6,49 €. Gefordert werde (Zitat): "Ablage, Registratur, Auskünfte erteilen, E-Mail-Kommunikation, -
Korrespondenz, Korrespondenz, Kunden-, Besucherempfang." Und weiterhin: "Telefondienst".

Auf Nachfrage erhielten wir folgende Antwort (sinngemäß):

"Die Stelle erfordere kein hohes Fachwissen. Das habe früher eine studentische Hilfskraft erledigt."

Die studentische Hilfskraft konnte also Auskünfte zu Akten erteilen und Korrespondenz erledigen. Und hat dies für einen Aushilfslohn getan. Laut Anzeige wird klar eine Rechtsanwaltsfachangestellte gesucht. Und nur eine solche entspricht auch dem Anforderungsprofil.

Die Ausreden werden immer schlimmer.

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